Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

 

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

JUBILÄUM !!

1997 - 2017 = 20 JAHRE = 20 € Rabatt

s. Reiter "Jubiläum"

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Spendenaktion

s. Reiter "Spenden"

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

 

*** Die neuen Kursinhalte *** Jetzt noch stärker praxisorientiert ***

 

Bitte anschauen: "Rechte-AGB-u.a.", "Impressum/Kontakt", "AGB" u. insbes. "Haftungsauschluss" 

 

 

Der natürliche Weg -

Gedanken über den Sinn des Fliegenfischens

 

 

Seit einiger Zeit beobachte ich einen eklatanten Wandel im Fliegenfischen.

Das einstmals „stille Hobby“ ist populär, wird wettkampfmäßig betrieben und kommerzialisiert.

Der traditionelle Anspruch von persönlichem Erlebnis, Erfahrung und geistigem Anspruch tritt mehr und mehr in den Hintergrund.

Dabei vermisse ich eine Einstellung, die für mich das eigentliche Fliegenfischen ausmacht.

Mancher glaubt, Fliegenfischen sei schon allein aus dem Umstand heraus, dass mit der Fliege gefischt wird, die waidmännischste Angelart. In meinen Augen kann jedoch jede Angelart, sofern sie umsichtig angewandt wird, ebenso anspruchsvoll und waidmännisch sein.

Es kommt auf die innere Einstellung des Einzelnen an. 

Durch Kommerzialisierung und „Fun-Gedanken“ werden viele Menschen über den, wie ich ihn nennen möchte, „technischen Weg“ zum Fliegenfischen gebracht.

 

Doch ist da nicht noch etwas anderes?

Weder der Besitz einer bestimmten Markenrute noch der Wurf bis ins Backing sind ein Garant dafür, ein guter Fliegenfischer zu sein.

Natürlich ist es wichtig, gut werfen zu können und gutes Gerät ist allemal seinen Preis wert. Denn gutes, sprich zuverlässiges Gerät, das zum Fischer passt, das er kennt und auf das er sich verlassen kann, ist essentiell wichtig, damit er sich am Wasser wohlfühlt.

Und wenn er sein Gerät „blind“ beherrscht, die erforderliche Wurfpräzision und –weite erreicht, ist er in der Lage, das Fischen zu genießen. Dann braucht er sich nicht auf das Werfen zu konzentrieren, denn das geht von allein und er kann sich auf andere Dinge konzentrieren. Es öffnet sich ihm eine Tür. Eine Tür zum Kennenlernen der Natur an und im Wasser, zum Verstehen der aquatischen und biologischen Wechselbeziehungen, zum ganzheitlichen Erleben.

Wie weit er diese Tür öffnen und den Weg, den ich den „natürlichen Weg“ nenne, gehen möchte, entscheidet jeder selbst. Das Fangen von Fischen hat dabei nicht die vorrangige Bedeutung. In den Vordergrund treten der sichere Umgang mit dem Gerät, mit dem Wasser und der Umgebung - eben der sichere und respektvolle Umgang mit der Natur und ihrer Geschöpfe. Es gilt teilzuhaben an ihrem Lebenszyklus. Zu genießen, zu nutzen und dabei so wenig, wie möglich zu stören. Nicht durch lautes Gehabe, nicht durch herumtrampeln am Ufer, nicht durch unnötig viel „Gewedele“, nicht durch unnötiges Waten und erst recht nicht durch unnötig verlängerte Drills, die für die Fische fatal sein können.

 

Ich freue mich immer, wenn ich an meinem Hausgewässer den alten Fischer mit seiner 70er-jahre Glasfaserrute und alter Automatikrolle, treffe. Dann  halten wir ein kurzes Schwätzchen, bevor jeder seines Weges geht.

Er erreicht mit seinem Gerät keine exorbitanten Wurfweiten und die Wurfgeschwindigkeit ist alles andere als rasant. Jedoch macht er den vermeintlichen Nachteil des überalterten Gerätes durch profunde Gewässer- und Fischkenntnisse mehr als wett und er weiß genau, wo und wie er seine Fliege zu führen und zu fischen hat. Er weiß, wo die Fische stehen und wie sie sich verhalten. Weiß, wie sich mit den Änderungen von Wasserstand, Strömung, Wasserführung, Lichteinfall, Temperatur, Vegetation und Tages- und Jahreszeit die Zyklen der Wasserinsekten und der Fische ändern. Er fängt regelmäßig seinen Fisch.

Aber es kommt ihm nicht vorrangig auf den Fisch an. Das Wichtigste ist, dass er sich am Wasser wohlfühlt. Er fischt im Einklang mit sich, dem Fluss und seiner Umgebung.

Das ist es, worauf es ankommt!

Wer solchermaßen fischt, ist zufrieden und ausgeglichen und nimmt einiges, was er in mentaler Hinsicht am Fischwasser gelernt , erlebt und gelebt hat, mit nach Hause, in den Alltag, an den Arbeitsplatz.

Auf diese Sichtweise und Haltung kommt es an.

 

Der Weg ist das Ziel – der natürliche Weg.

Im Grunde muss man beim Fliegenfischen nicht zwingend einen Fisch fangen, um eine schöne Zeit zu haben.

Fliegenfischen kann etwas Meditatives haben.

Es bedeutet Eins zu sein mit der Natur, in gerade diesem Augenblick.

Wobei ich „meditativ“ nicht im Sinne von religiös verstehe.

Ich habe keine persönlichen Erfahrungen mit religiösen Meditationstechniken.

Jedoch bin ich der Meinung, dass das Fliegenfischen, wenn mit richtiger Geisteshaltung und Stil praktiziert, ein meditatives Erlebnis sein kann.

Vor allem geht es um die richtige Wahrnehmung.

Das Erleben der Natur gibt den Sinnen den nötigen Raum.

Wenn man wahrnimmt, was in der Umgebung geschieht, und dem Fliegenfischen die volle, ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lässt, verursacht das diesen Sinneszustand, mit dem Gefühl von Erfrischung, Erholung und mentaler Ausgeglichenheit.

Ich habe dies schon öfter nach einem langen stress- und arbeitsreichen Tag erleben dürfen. Das ist Erholung pur. Wohl gemerkt, das ist kein Ergebnis von entrückter Träumerei, als vielmehr von voller Konzentration.

 

Effektives Fliegenfischen bedingt Konzentration.

Allein draußen zu sein hat einen beruhigenden Effekt.

Während ich an einem Fluss stehe, ermutigt mich der Klang von Wind und Wasser, und von den mich umgebenden Geräuschen dazu, einfach nur zuzuhören. Dies erzeugt eine höhere Sensibilität. Diese vereinfacht es, die Gedankenflut, die mich ansonsten ständig umgibt und beschäftigt, herunterzufahren und mich mehr auf die Dinge einzustimmen, die mich unmittelbar umgeben. Die Dinge so zu sehen, wie sie sind.

 

Ich fühle mich wohl in der Natur und weiß, mich in ihr zu bewegen und mit ihr umzugehen.

- Ich weiß, dass ich in der Lage bin, meine Fliege treffsicher zu platzieren.

- Watend in reißendem Wasser oder auf tückischem Grund, weiß ich um die Gefahr  

   und mit ihr umzugehen und weiß, dass mich so schnell nichts umwerfen kann, wenn ich nur  

   umsichtig und sicher genug vorgehe.

- Ich sehe klarer und werde selbstsicherer am Wasser und in der Natur.

 

Ich schärfe mein Bewusstsein und fange an, Dinge zu bemerken die schon immer vorhanden waren, die ich aber nie so richtig wahrgenommen habe.

Durch Konzentration, auf das, was wir gerade machen, auf das Hier und Jetzt können wir, die uns permanent umgebende Gedankenflut, zeitweise ausblenden. Wir können einen Zustand erreichen, der uns die verborgenen Dinge wahrnehmen lässt. Gerade diese Konzentration ist wichtig bei einer der schwierigen Praktiken des Fliegenfischens – beim Absuchen des Wassers mit der Nymphe in der Deaddrift, ohne Bissanzeiger. Die Bisse kommen schnell und unmerklich. Genauso schnell, wie der Fisch die Nymphe einsaugt, stößt er sie auch wieder aus. Häufig bleiben diese Anbisse vom Angler unbemerkt. Also gilt die volle Konzentration der magischen Stelle, an der die Schnur ins Wasser eintaucht und mit der Strömung abtreibt. Alle anderen Gedanken sind ausgeschaltet. Urplötzlich ist der Geist ganz klar und die Sinne offen und nehmen bewusst und mit erhöhter Intensität war, was um sie herum passiert. Der Fischer wird Eins mit dem Fluss, schafft den Spagat zwischen voller Konzentration und absoluter Entspannung.

So wird Fliegenfischen zu einer  meditativen Übung, losgelöst von anderen Gedanken und  rationalen Werten.

Ich wage zu behaupten, dass fast jeder versierte Nymphenfischer diesen Zustand kennt.

Ich praktiziere das Nymphenfischen in der Deaddrift gerne. Dabei lehne ich persönlich Bissanzeiger ab, und versuche, so einfach und mit so wenig Hilfsmitteln wie möglich zu fischen. Auch wenn ich dabei zwangsläufig nicht jeden Biss erkenne.

Auch der eingefleischte Trockenfliegenspezialist wird diesen Zustand kennen. Wenn er vollkommen konzentriert seine Fliege im schnellen Wasser und bei schwierigen Lichtverhältnissen mit den Augen verfolgt und angespannt jederzeit mit einem Anbiss rechnet.

 

Der Prozeß zu einem aufmerksameren Fliegenfischer.

Allein durch diese Konzentrationsübungen wird man nicht zwangsläufig sofort zu einem besseren Fliegenfischer. Doch durch stilles Beobachten der Natur und Konzentration auf einen bestimmten Punkt, und die damit verbundene Klarheit der Gedanken lernt man mit der Zeit einiges über die Wechselwirkungen in der Natur. In der Folge wird man sich sicherer und routinierter in ihr bewegen und seine Fliege führen. Es erfolgt eine größere Kenntnis der Verhaltensweise von Fischen und daraus wiederum eine bessere Fangauswertung. Auch ein bewussterer Umgang mit der Natur und der uns anvertrauten Kreatur Fisch, das Verstehen von Lebenszyklen, das Bemühen um Nachhaltigkeit erwächst daraus.

Damit das Ganze nicht in Träumerei am Wasser verfällt, sondern ein effektives Erleben wird, bedarf es aus meiner Sicht einiger Voraussetzungen.

 

Diese sind:

- sichere Beherrschung des Gerätes

- genaues Beobachten zum Erwerb und Ausbau von Wissen um aquatische Belange -

   um Fischnährtiere und das Verhalten von Fischen (denken wie ein Fisch)

- Minimierung auf das Notwendige – kein unnötiger Ballast (gerätetechnisch und mental)

- Übung vollkommener Konzentration auf das, was ich gerade mache, auf das Hier und Jetzt

 

Natürlich wird das nicht immer und überall funktionieren.

Es gibt Tage, da klappt einfach überhaupt nichts.

- Schon beim Anknüpfen der Fliege rutscht diese aus den Händen und verschwindet im

   hohen Ufergras, oder sie fällt ins Wasser und verabschiedet sich mit der Strömung auf    

   Nimmerwiedersehen.

- Beim Waten vergisst man, dass man nur Watstiefel, statt -hose trägt und watet zu tief.

   Bis einem das in die Stiefel schießende kalte Wasser dies jedoch schnell wieder ins  

   Gedächtnis zurück ruft.

- Der Fischer übersieht die Erle im Rücken, die nur darauf gewartet hat, sich die Fliege

   zu schnappen, zwischen ihrem Grün zu verstecken und nicht mehr herauszurücken.

- Oder durch einen plötzlichen Windhauch fliegt die Fliege statt in den kleinen Zwischenraum  

   zwischen den überhängen Büschen mitten in dieselben oder die Nymphe verfängt sich

   an Wurzeln am Ufersaum

-  und vieles mehr.

Solche Missgeschicke passieren jedem Fischer und davon sollte man sich nicht entmutigen lassen. Beim nächsten Wurf etwas mehr Konzentration und er „sitzt“.

Und nun ist erst recht die volle Konzentration gefragt, denn wir sind wieder im Geschäft.

Der Weg zu einem besseren Fliegenfischer geht über das Empfinden und Beobachten, gepaart mit Konzentration und  praktischer Ausübung.

In diesem Sinne hoffe ich, dass sich möglichst viele Fischer auf den Weg machen und wünsche jedem erholsame und ereignisreiche Momente am Wasser und eine Bewusstseinserweiterung durch bewusstes Erleben.

Versuchen Sie´s. Es lohnt sich!

 

Harald Grandrath